Aktuelle Stunde #3: Niedersachsen, wie hältst du's mit der Energie? mit Lea Dohm
Shownotes
Nachdem wir in den ersten Podcast-Folgen mit einer Politologin über die Landtagswahl und einer Politikerin über die Regierungsbildung gesprochen habe, interessiert uns für die dritte Folge eine emotionale Perspektive. Denn alle erwähnten energiepolitischen Beispiele haben eine zentrale Gemeinsamkeit: Sie rufen extrem emotionale Reaktionen hervor.
Unsere Gesprächspartnerin beschäftigt sich mit der Frage, wie wir mit diesen Gefühlen, die die Klimakrise hervorruft, umgehen. Dr. Anne Bonfert spricht mit Lea Dohm. Sie ist Psychologin, hat 2020 die Psychologists und Psychotrists for future mitgegründet und das Buch „Klimagefühle“ veröffentlicht.
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https://www.droemer-knaur.de/buch/lea-dohm-mareike-schulze-klimagefuehle-9783426286159 https://www.slu-boell.de/de/klima
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00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zur Aktuellen Stunde.
00:00:09: In diesem Format greifen wir in unregelmäßiger Regelmäßigkeit aktuelle Themen niedersächsischer Politik auf und laden uns dazu jeweils einen Gast zu einem digitalen Zweigespräch ein.
00:00:24: Mein Name ist Anne Bonn-Fert, ich arbeite als Geschäftsführerin der Stiftung Leben und Umwelt, so heißt die Heinrich Böll-Stiftung hier in Niedersachsen.
00:00:33: Im Februar haben uns die Proteste in Lützerath in Atem gehalten.
00:00:38: Im März hat die letzte Generation mit diversen Aktionen deutschlandweit für unberechenbare Autoviege gesorgt.
00:00:47: Und am fünftzehnten April sind die letzten drei deutschen Atomeiler vom Netz gegangen.
00:00:55: In unserer dritten Folge fragen wir daher Niedersachsen.
00:00:59: Wie hältst du es mit der Energie?
00:01:01: Nachdem ich bislang mit einer Politologin über die Landtagswahl und mit einer Politikerin über die Regierungsbildung gesprochen habe, interessiert mich für die heutige Folge eher eine emotionale Perspektive.
00:01:14: Denn alle erwähnten energiepolitischen Beispiele haben vor allem eine zentrale Gemeinsamkeit.
00:01:22: Sie rufen extrem emotionale Reaktionen hervor.
00:01:27: Meine heutige Gesprächspartnerin hat noch in einem anderen Zeitalter, nämlich vor der Pandemie, damit begonnen sich mit der Frage zu beschäftigen, wie wir mit diesen Gefühlen, die die Klimakatastrophe hervorruft, umgehen.
00:01:44: Ich spreche heute mit Lea Dom.
00:01:47: Sie ist Psychologin und Psychotherapeutin und hat zusammen mit Streiterinnen die Psychologists und Psychotherapists for Future gegründet und mit Mareike Schulze das Buch Klimagefühle veröffentlicht.
00:02:04: Mich interessiert, wie wir uns im Wissen um notwendige Veränderungen als Individuen verhalten.
00:02:12: Welche Konsequenzen wir für unser Handeln ableiten und welche gerade nicht?
00:02:20: Und was sagt das eigentlich über uns als Gesellschaft aus?
00:02:25: Vor allem aber will ich wissen, wie sie auf die letzten Monate blickt und auf das, was jetzt vor uns liegt.
00:02:34: Hallo Lea, herzlich willkommen.
00:02:36: Schön, dass du die Zeit nimmst, mit uns auf die aktuelle Situation zu blicken.
00:02:40: Vielen Dank für die Einladung.
00:02:43: Sag mal vorne weg, wo sind wir denn hier?
00:02:45: Wohin hast du mich eingeladen?
00:02:47: Das ist ja ein Bild, das du mitgebracht hast.
00:02:50: Ja, ich habe dich nach Lützerath eingeladen und zwar sozusagen in einer Zeitreise, nämlich zu einer Zeit, wo das Dorf noch stand.
00:02:58: Als ich Lützerath mal besucht habe, habe ich dieses Foto gemacht und das... löst viele Gefühle in mir aus, weil ich das da als so friedlich und toll erlebt habe und den Tag einfach in ganz guter Erinnerung habe.
00:03:13: Hey, spannend.
00:03:14: Da werden wir bestimmt auch gleich nochmal intensiver darauf zu sprechen kommen auf Lützerad und die unterschiedlichen Gefühle, die das so
00:03:22: auslöst.
00:03:25: Das Thema Klima ist aber natürlich viel größer als nur die Frage nach Lützerad und auch die Frage nach der Energie an sich.
00:03:36: Aber irgendwie ist es ja schon so, dass an der Frage nach der Energieerzeugung und ihrem Verbrauch sich die Emotionen entzünden, weil wirklich jeder Mensch in seinem, in ihrem Alltagsverhalten davon betroffen ist.
00:03:53: Und ich habe ja diese Folge genannt, Niedersachsen, wie hältst du es mit der Energie, wenn du das hörst und dabei an Niedersachsen denkst, an welchen Ort denkst du zuerst?
00:04:07: Wenn ich an Niedersachsen denke.
00:04:10: Also ich war mal auf so einer Veranstaltung, wo es um Offshore Windanlagen ging in der Nordsee.
00:04:16: Da war ich auf der Insel Spiekeroog.
00:04:17: Daran muss ich jetzt gerade denken, das wäre auf jeden Fall Niedersachsen.
00:04:21: Ansonsten komme ich gebürtig aus Nordenham.
00:04:23: Das ist ganz in der Nähe vom Kernkraftwerk Unterweser.
00:04:27: Da haben wir also auch die Energiewende drin.
00:04:30: Genau.
00:04:30: Und hier in Schauenburg, wo ich jetzt lebe, da geht es viel um solche Fragen.
00:04:36: Windräder, wo sollen die eigentlich hin?
00:04:38: Dürfen sie eigentlich überhaupt irgendwo hin?
00:04:40: Keiner will sie so richtig vor der Haustür haben.
00:04:42: Genau.
00:04:43: Also ich habe schon hier verschiedene Orte erlebt, in denen das Thema Energiewende sehr präsent ist.
00:04:48: Okay.
00:04:49: Ja, das ist spannend, weil Lützerath ist ja so ein Symbol geworden, aber... Tatsächlich gibt es ja sehr viele mehr Orte in unserem Umfeld, die uns mit den unterschiedlichen Aspekten von Energiegewinnung immer wieder begegnen.
00:05:04: Ja, ganz genau.
00:05:07: Ich habe dich eingeladen als Gesprächspartnerin, weil du ein Buch geschrieben hast.
00:05:13: Klimagefühle.
00:05:16: Wie kam es denn dazu?
00:05:17: Magst du uns das ein bisschen erzählen?
00:05:20: Ja, um zwei tausend neunzehn habe ich zusammen mit meiner Kollegin Mareike, die auch Psychotherapeutin ist, die Psychologist for Future gegründet, weil wir damals, als die Klimaproteste größer und größer wurden, so gemeinsam gedacht haben, das hat doch auch was mit Psychologie zu tun.
00:05:36: Da steckt auch irgendwie unser Fach drin und haben uns dann darüber ausgetauscht, wie, wo das überall da drin sein könnte und haben als erstes so ein Abwehr gedacht, also dass Leute mit Widerständen reagieren oder mit dem Thema gar nichts zu tun haben möchten und so weiter.
00:05:52: Und dann sind wir einfach mal aktiv geworden.
00:05:55: Haben unsere Berufsverbände angeschrieben, die Kammern und so weiter und haben gefragt, ob es da schon irgendein Engagement gibt.
00:06:00: Gab es nicht.
00:06:01: Also mussten wir es selber machen.
00:06:03: Und so kam es zur Gründung der Psychologist for Future als erstes.
00:06:07: Und die sind super schnell, viel, viel größer geworden.
00:06:10: Wir sind sehr schnell, sehr gewachsen.
00:06:12: Wir haben jetzt über tausend Fünfhundert Kollegen im deutschsprachigen Raum, die sich da engagieren.
00:06:18: irgendwann tatsächlich der Verlag auf uns zu und hat gefragt, ob wir nicht mal was zu dem Thema machen könnten.
00:06:24: Und das war natürlich eine super Chance, zumal wir von Anfang an irgendwie dachten, das Thema muss in die Öffentlichkeit, da muss mehr darüber gesprochen werden, das muss irgendwie präsent an unseren Köpfen werden, damit da auch eine innere Auseinandersetzung stattfinden kann.
00:06:37: Und kannst du noch mal sagen, Aus welcher Perspektive ihr dann da drauf guckt, also wenn du sagst, da ist ja irgendwie was Psychologisches drin, geht es da um eine wissenschaftliche Perspektive oder eher um eine aktivistische?
00:06:52: oder wo hört das eine auf und fängt das andere an?
00:06:56: Ja, wir bewegen uns sozusagen in einem Grenzbereich.
00:06:59: Also natürlich sind wir erst mal wissenschaftlich orientiert.
00:07:02: Wir haben alle einen Studienabschluss und es ist uns schon sehr wichtig, dass das, was wir sagen, auch Hand und Fuß hat, dass sich das entsprechend wissenschaftlich abbilden lässt.
00:07:12: Und gleichzeitig probieren wir eben unser Wissen in dieser ganzen großen Transformation, vor der wir gerade stehen, zur Verfügung zu stellen.
00:07:21: sehe ich inzwischen jetzt nach ein paar Jahren, dass es an ganz, ganz vielen Stellen drin steckt, viel mehr als ich das zuerst vermutet habe, weil logischerweise die Klimakrise Menschen gemacht ist.
00:07:31: Um Psychologie ist die Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten und nur wir Menschen können das Problem lösen.
00:07:37: Und deswegen ist es eben nicht nur bei der Abwehr, was mein erster Gedanke war und Mareik ist auch, sondern er steckt eben auch in solchen Fragen, wie kann man Menschen ins Handeln bringen beispielsweise oder wie müssen wir das Problem kommen?
00:07:51: damit es wirklich ernst genommen wird und dass Leute bereit sind, dann irgendwie deiner Form mitzumachen und zu partizipieren.
00:07:57: Du hast
00:07:59: jetzt gerade schon gesagt, dass sich deine Perspektive da auch entwickelt hat, weil so ein Buch, da hat man ja, also selbst wenn der Verlag kommt und sagt, willst du nicht dazu schreiben, das dauert ja ein bisschen, bis das dann fertig ist.
00:08:15: Und du hast gesagt, im Jahr zwei Tausend neunzehn habt ihr angefangen, euch mit dem Thema zu beschäftigen.
00:08:21: Und dann kam ja ziemlich direkt nach zwei tausend neunzehn eine Pandemie und danach jetzt die Energiekrise.
00:08:31: Also du hast ja gerade schon gesagt, ne?
00:08:33: Deine Perspektive hat sich auch verändert.
00:08:35: Kannst du mal erzählen, was da so passiert
00:08:40: ist?
00:08:43: Ja, wir sind klüger geworden, hoffe ich.
00:08:46: Es ist jedenfalls mein eigener Eindruck, wobei ich denken würde, dass wir diese Krisen gar nicht so getrennt voneinander sehen können, weil ja letztlich doch irgendwie alles zusammenhängt.
00:08:56: Also wir wissen zum Beispiel, dass mit Zunahme der ökologischen Krisen die Wahrscheinlichkeit von Pandemien immer größer wird.
00:09:02: Oder dass es uns auch für uns viele, viele Vorteile böte, wenn wir auf erneuerbare Energien umsteigen und damit unabhängiger werden von diesen Energielieferungen.
00:09:12: autokratischen Systemen und so.
00:09:13: Also da hängt dann doch wieder alles miteinander zusammen.
00:09:17: Und mit dem Buch war es so, dass der Verlag ursprünglich von uns wollte, dass wir praktisch ein Gefühl nach dem anderen beschreiben.
00:09:24: Das heißt ja auch Klimagefühle.
00:09:25: Und dass wir praktisch die Gefühle einfach darin nacheinander abbilden.
00:09:30: Und da haben wir gedacht, das kann ja kein Mensch lesen.
00:09:32: Das ist eine riesige Keule, wenn wir das machen.
00:09:35: Und haben probiert das irgendwie ein bisschen... lesbarer, nahebarer zu machen, indem wir einerseits von uns selbst berichten und unsere eigenen Erfahrungen in der inneren Auseinandersetzung.
00:09:46: Und wir haben halt auch verschiedene Leute befragt, wie es ihnen damit zu geht.
00:09:49: Also wissenschaftlerin Stefan Rahmsdorf hat einen Beitrag gemacht, Harald Lesch.
00:09:54: Die haben wir einfach angeschrieben und nach ihren Gefühlen zu diesem Thema gefragt.
00:09:57: Stefan Rahm hat einen Beitrag gemacht.
00:09:59: Stefan
00:09:59: Rahmsdorf.
00:10:02: Von Potsdam Institute für Klimafolgenforschung.
00:10:05: Ja, aber auch ganz viele Leute, wir haben eine hochwassergeschädigte Frau, die uns einen Beitrag geschrieben hat über Angst.
00:10:14: Und so haben wir eben probiert mit ganz vielen Erfahrungsbrichten, das so ein bisschen nahbarer zu machen und dazu das sozusagen anzubieten, dass wir die ganze Bandbreite abbilden, so dass die Leute sich dann selbst irgendwie einordnen können.
00:10:28: Also, dass wir beim Lesen denken, hey, das habe ich auch, das habe ich sogar nicht und dass wir dadurch eher zu einer inneren gelangen.
00:10:35: Mit der Grundannahme, dass wenn uns eine emotionale Auseinandersetzung gelingt, dass dann die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir ins Handeln kommen.
00:10:44: Wenn wir wissen aus der Psychologie, dass Gefühle Bedürfnisanzeiger sind und wenn wir zu irgendwas ein Gefühl haben, dann hat das eine Bedeutung für uns und dann steigt eben die Wahrscheinlichkeit, dass es für uns eine Relevanz gewinnt und wir dadurch handlungsbereiter werden.
00:11:02: Ja, das kann ich nachvollziehen.
00:11:05: Das heißt, also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, die These des Buches könnte, könnte man, ich versuche es mal, als jede Person ist davon betroffen und das Thema führt bei jeder Person zu einer emotionalen Reaktion und die fallen unterschiedlich aus, weil es unterschiedliche Emotionen gibt und die führen in der Konsequenz zu unterschiedlichen Reaktionen oder unterschiedlichem Umgang damit.
00:11:39: Und dass das Buch ein Angebot ist, zu gucken oder Identifikationsmöglichkeiten zu bieten und Anknüpfungsmöglichkeiten zu bieten, wo Man sich vielleicht wieder erkennt und wo man vielleicht auch, weiß ich nicht, wie ein bisschen der Griff als Angebot an die Nase zu gucken.
00:11:59: Wie gehe ich damit eigentlich um?
00:12:00: Wie kommen meine Reaktionen zustande?
00:12:03: Ja, das trifft es ganz gut.
00:12:06: Also ich glaube, wir müssen noch einen Schritt zurück, denn wenn wir Menschen befragen, die jetzt vielleicht nicht so aktiv sind wie wir oder sich noch nicht so viel mit dem Thema auseinandergesetzt haben, dann ist es für die oft schwer, die Gefühle so differenziert zu benennen.
00:12:19: Das ist uns generell fällt uns das eher schwer.
00:12:21: Ich bin auch Psychotherapeutin.
00:12:23: Das ist was, womit viele, viele Psychotherapien sich beschäftigen, dass Menschen kommen und einfach sagen, es geht mir schlecht und wir dann erst mal aufdröseln müssen.
00:12:31: Was bedeutet denn genau schlecht?
00:12:33: in welchen Situationen und was macht es genau?
00:12:35: und so weiter.
00:12:36: Und so ähnlich erlebe ich das eben auch bei diesem Klimathema, dass viele Leute das noch gar nicht so genau benennen können, was sie eigentlich da genau fühlen, sondern eher, dass vielleicht so ein subtiles Unwohlsein bereitet oder auch so eine innere Sorge, die aber schwer zu fassen zu kriegen ist.
00:12:52: Und da wissen wir einfach, dass es auch psychisch gesund erhalten ist, wenn wir das differenzieren können und wenn wir da ein bisschen genauer hingucken.
00:13:00: Also wir möchten auch psychische Gesundheit fördern und ein Stück weit so eine Entemotionalisierung unserer Gesellschaft entgegenwirken, also wo es so ein Narrativ gibt, das alles ganz sachlich und nüchtern betrachtet werden müsste.
00:13:14: Also natürlich sind die Fakten total wichtig, die müssen wir sachlich und nüchtern betrachten und gleichzeitig denke ich, dass wir das normalisieren dürfen, dass das Reaktion in uns auslöst und dass wir so tatsächlich mehr Menschen erreichen können, die vielleicht erst mal vor von Physik oder so, dass er ja nicht so einen Zugang haben.
00:13:37: Ich war auch nicht so die Leuchte in Physik.
00:13:42: Ja, aber es ist interessant, weil tatsächlich gibt es ja so einen aufgeregten Diskurs.
00:13:48: Darum, wie wir mit Protesten umgehen, wiederum andere Sachen werden eher nicht so diskutiert, obwohl das stimmt nicht.
00:13:56: Auch die Frage nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn wird ja diskutiert, sind eher immer die Frage, aus welchen Perspektiven.
00:14:05: Und all das wird ja schon emotional diskutierten, vor allem emotional.
00:14:11: Aber halt, wenn ich dir jetzt zugehört habe, dann eher nicht so... mit der Frage, worauf reagieren wir denn da und warum reagieren wir so emotional, sondern eher weiß ich nicht.
00:14:25: manipulativ emotional.
00:14:28: Es gibt auch eine Emotionalisierung praktisch in der Abwehr.
00:14:34: Und also, dass zum Beispiel es Angst macht, die Vorstellung, dass ein Windenergieanlage bei mir in der Nähe gebaut wird, was hat das eigentlich für Auswirkungen usw.
00:14:46: Und auch im öffentlichen Diskurs, im medialen Diskurs findet ja eine ordentliche Emotionalisierung statt, also im Sinne von jetzt zum Beispiel aktuell die Klima-Kleber.
00:14:55: oder Klimahysterie dann eher in so eine abwertende Richtung.
00:15:00: Aber ich denke, dass es ganz wichtig ist, dieser Polarisierung da auch ein Stück weit entgegenzuwirken.
00:15:05: Und wir wissen aus der Psychologie, dass wenn ein etwas in uns starke Gefühle auslöst, auch wenn das erstmal abwährende Gefühle oder Ärger oder so ist, dass das auch ein Hinweis darauf ist, dass es eben eine Bedeutung hat.
00:15:18: Also vielleicht als einfaches Beispiel in der Psychotherapie, wenn Wenn irgendeine Person immer die ganze Zeit über die eigene Mutter schimpft und alles so schlimm, dann gilt es oft, sich dem anzunähern, dass sie vielleicht auch gute Seiten hatte.
00:15:34: Das ist nicht in jedem Fall der Fall, aber dass man das ein bisschen aufweicht, dieses ganz harte und in eine Richtung gelenkte.
00:15:42: Da ist ein Ziel von den Psychologists for Future, wo ich ja immer noch engagiert bin, dass wir dieser Spaltung entgegenwirken und dass wir auch eine gesellschaftlichen Segmentierung entgegenwirken und dann über Kommunikation, über emotionale Differenzierung und so weiter, da diese Grenzen und dieses Gegeneinander, was es bereits gibt, also dass wir dem entgegenwirken.
00:16:08: Diese Abwehrmechanismen, das hast du jetzt gerade mit der... Mutter beschrieben, aber kannst du das noch mal in Bezug auf so ein energiepolitisches Beispiel erläutern?
00:16:19: Also du hast ja gesagt, das war auch der Ausgangspunkt, wie du eigentlich zu dem Thema gekommen bist.
00:16:26: Ja, also ich kann, also wir wissen, dass diese ganzen Themen, die mit der Energiewende verbunden sind, auch vielen Menschen berechtigte Sorgen bereiten.
00:16:36: Also wenn wir uns vorstellen, dass zum Beispiel Menschen in der Lausitz oder jetzt also da sind Arbeitsplätze von abhängig, da ist finanzielle Sicherheit von abhängig.
00:16:46: Im Moment sind sowieso viele Menschen auch finanziell belastet und stehen insgesamt unter einer hohen Grundbelastung und da ist es erstmal ganz normal, dass wir uns Sicherheit wünschen, eine Versorgungssicherheit wünschen, dass wir die Gewissheit haben möchten, dass wir die Energie zukünftig auch noch weiter bezahlen können und wir wissen auch, dass Veränderungen erst mal Angst machen.
00:17:05: Also wir Menschen sind Gewohnheitstiere.
00:17:08: Wir mögen gerne auch ein Stück weit unseren Alltagstrott, weil es uns Sicherheit gibt und bekannt ist.
00:17:13: Ich glaube, dass das auch zum Beispiel ein Aspekt ist bei dieser zuletzt nochmal aufgeflammten Debatte um die Atomenergie.
00:17:20: Also das ist das vermeintlich sichere Bildige, was wir aus der Vergangenheit kennen und so weiter.
00:17:25: Da wird sich dann gerne darauf zurückberufen.
00:17:27: Und gleichzeitig gilt es dann eben zu kommunizieren, dass die Zeit dafür abgelaufen.
00:17:32: ist und dass es eben auch ganz, ganz viele Nachteile hat und dass Veränderungen da notwendig sind.
00:17:39: Und das ist natürlich ein Spannungsfeld, in dem wir uns immer zu bewegen und in dem einfach auch viel Aufklärung und Kommunikation nötig ist, weil Veränderungen uns auch schwerfallen.
00:17:51: Die kosten auch
00:17:52: Energie,
00:17:53: also psychische Energie.
00:17:56: Ja, du hast das ja gerade schon benannt.
00:17:59: Am fünften vierten sind die letzten drei Atomeiler vom Netz gegangen.
00:18:06: In Niedersachsen wurde das ja vor allem in Lingen gefeiert und gerade Niedersachsen hat ja auch wirklich eine lange Geschichte mit der Antiatombewegung.
00:18:17: Trotzdem haben wir immer noch die Diskussion, ob es da nicht eigentlich noch eine Zukunft gebe und die Frage, reicht das denn ohne Atomenergie?
00:18:28: Und das ist ja eine total emotionale Diskussion, weil dieses Verständnis von Atomkraft ist nicht flexibel genug, um als Brückentechnologie funktionieren zu können.
00:18:40: Und wenn wir alle Kosten mit reinrechnen, dann ist es leider auch nicht rentabel, mal jenseits von dem Angstdiskurs und der ungeklärten Frage nach dem Müll.
00:18:55: Aber ich finde, an dieser fünften vierte ist noch mal so ein schönes, markantes Symboldatum wieder, weil ich das Gefühl habe, Vor allem mit der Krise haben wir so einen symboltrechtigen Bilder um uns rum, sei es Robert Habeck, der sich vor dem E-Mir verbeugt, das Abschalten der Atomeiler, die Proteste in Lützerrat, die Klimakleber.
00:19:25: Es sind so wie so ein bisschen hochgepusht.
00:19:29: Ja, auch hoch emotionalisiert.
00:19:33: Und gleichzeitig diese Debatte rund um den Atomausstieg, die auch medial geführt wurde.
00:19:37: Ich habe das zum Teil auch als Pseudo-Debatte erlebt, weil selbst die Betreiber wollen das ja gar nicht weiterführen, sondern ich glaube, dass es da einige Politikerinnen gibt, wo es einfach auch darum geht, an dieses Sicherheitsbedürfnis von Menschen anzuknüpfen und die sich damit auch ein Stück weit beliebt machen.
00:20:01: Und wo es um Machtsicherung und so weiter geht, wenn sie fordern, das weiter zu betreiben, obwohl alle Fakten dagegen sprechen, das zu tun.
00:20:11: Ich würde sozusagen aus einer, weiß ich nicht, psychologischen Perspektive noch mal fragen, was ist das, was wir da eigentlich tun?
00:20:20: Also, ich habe manchmal das Gefühl, wir verschieben eigentlich wie unseren Fokus, indem wir uns... über bestimmte Sachen aufregen, verhindern wir, dass wir uns anders verhalten und unser Handeln verändern.
00:20:43: Und es gibt ja dieses Stichwort der kognitiven Dissonanz, was so eine Wahnsinnskarriere hingelegt hat in den letzten fünf Jahren.
00:20:54: Und da würde ich mich fragen, ist das eigentlich... Versucht euer Buch, wie eine Gegentease zu sein oder zu sagen, wir wollen da gar nicht so theoretisch drauf gucken, sondern wir wollen jetzt mal überlegen, was uns eigentlich dazu kriegt, diese kognitive Dissonanz aufzulösen.
00:21:14: Oder also, wie kriegen wir das hin?
00:21:19: Dass wir vor lauter Angst vor den Konsequenzen und schlechten Gefühlen, die einfach ausblenden und sagen, Na gut, da machen wir jetzt erst mal weiter, so wie bisher.
00:21:30: Ja, das ist ein spannendes großes Feld.
00:21:32: Also diese Theorie von der kognitiven Dissonanz ist ja eigentlich uralt in der Psychologie.
00:21:37: Das ist ein Konzept von nineteenhundert, siebenundfünfzig, aber inzwischen vielfach repliziert.
00:21:41: Also das kennen wir gut.
00:21:44: Und da müssen wir feststellen, dass wir im Grunde alle, wenn wir hier in Deutschland wohnt unter einer ständigen kognitiven Dissonanz stehen, weil wir nämlich alle nicht frei von Schuld sind und weil ein klimaneutrales Leben hierzulande im Grunde unmöglich ist.
00:21:57: Also wenn wir das richtig, richtig ernst meinen, dann würden wir uns so sehr von unseren Mitmenschen unterscheiden, dass wir das gar nicht so gerne mögen.
00:22:05: Also wir wollen ja gerne irgendwie normal sein und nicht so auffallen und so weiter.
00:22:09: Das heißt, wir befinden uns in einer koalitiven Dissonanz, weil wir einerseits schuldig sind, weil wir einerseits die Notwendigkeit sehen und die Fakten kennen und andererseits aber selbst Klimasünderinnen sind.
00:22:20: Also wir sind alle nicht frei von Schuld in dieser Hinsicht.
00:22:23: Und da wissen wir aus der Psychologie, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie wir als Menschen diese der kognitiven Dissonanz begegnen und das leider die Verhaltensänderung, also dass ich aktiv werde, probiere diese kognitive Dissonanz durch Handeln auszulösen, eine der geringsten Wahrscheinlichkeiten ist.
00:22:41: Wir neigen eher dazu.
00:22:43: dann dieses Wissen zur Seite zu schieben, so unangenehme Reportagen gar nicht erst anzugucken, vielleicht die Quellen abzuwerten oder also das praktisch kognitiv zu lösen mit unserem Denken, indem wir das auch in Frage stellen, dem noch was entgegensetzen, vielleicht sagen ja aber in dem Bereich streng ich mich schon ganz doll an und so, also dass wir dieses Thema für uns klein machen.
00:23:03: Und ich glaube, dass es erstmal anzuerkennen gilt, dass das schwer ist.
00:23:09: Für uns alle ist das schwer.
00:23:12: Es ist eine riesige Herausforderung, vor der wir da als gesamte Menschheit stehen.
00:23:15: Das macht Angst.
00:23:16: Es ist schwer.
00:23:17: Es ist traurig, was in vielerlei Hinsicht passiert.
00:23:20: Es kann uns zu Recht ärgerlich machen und dass wir das normalisieren.
00:23:24: Und dann kann praktisch nur die Auflösung der Dissonanz sein, dass wir unsere Gesellschaft so umgestalten, dass wir unsere Strukturen so umgestalten, dass es viel leichter wird, uns hier umweltfreundlich und klimabewusst zu bewegen und zu verhalten.
00:23:37: Es muss viel normaler werden.
00:23:38: Wir brauchen, jetzt kommt wieder was aus der Psychologie bzw.
00:23:41: aus der Soziologie, wir brauchen ganz neue soziale Normen.
00:23:44: Weil wir wissen, wenn es mehr zur Norm wird, sich umweltfreundlich zu verhalten, dann werden viel mehr Menschen das tun.
00:23:50: Erleben wir ja schon ein Stück weit gerade.
00:23:54: dass sich da neue Normen etablieren.
00:23:57: Und du hast gerade eine schöne Passivwendung genommen, dass sich da neue Normen etablieren.
00:24:02: Wie macht man das denn?
00:24:05: Ja, wir alle gestalten sie ja zum Teil mit.
00:24:08: Also das ist genau diese Schnittstelle zwischen Individuum und Struktur, dass wir eben als Einzelne diese Normen mitgestalten.
00:24:16: Ich habe es zum Beispiel persönlich so gelöst, dass ich meinen vierzigsten Geburtstag letztes Jahr komplett vegan gefeiert habe, obwohl ich gar keine strenge Veganerin bin, aber es ging mir irgendwie darum und ich hoffe, es ist mir auch gelungen zu zeigen, Hey, das ist möglich, eine richtig gute Party vegan zu feiern, auch wenn ihr nicht alle Veganer sind.
00:24:34: Das geht.
00:24:35: Und das war ein toller Abend und so.
00:24:37: Und dass wir sowas normalisieren und am besten eben nicht nur im persönlichen Haushalt, sondern eher in Gruppen, also in den Umfeldern, in denen wir uns bewegen, vielleicht am Arbeitsplatz, im Verein, wo wir aktiv sind oder ja.
00:24:53: Und hast du deinen Geburtstag auch so gelabelt?
00:24:57: Einladung zum veganen Geburtstag?
00:24:59: Oder hast du es einfach gemacht?
00:25:01: Ich
00:25:01: habe es einfach ausgeschwiegen.
00:25:03: Ich habe es einfach gemacht.
00:25:05: Ich wollte nicht, dass es so eine Debatte darum gibt und dass es vielleicht Reaktanz hervorruft oder so, sondern dass wir es einfach machen und es ein schöner Abend wird.
00:25:14: Und womöglich niemandem auffällt?
00:25:16: Genau.
00:25:19: Okay, ich kenne das aus der Schule, die Debatten zum Sommerfest oder Jahresabschluss oder so was und dann, wie viele unterschiedliche Grills holen werden, werden mitgebracht für die unterschiedlichen Bedürfnisse und dass dann so auch naheliegendere Möglichkeiten gäbe.
00:25:40: Aber das sind dann, das sind dann immer ganz schnell so richtig, richtig emotionale Debatten.
00:25:47: wer welches Würstchen braucht, warum, damit man
00:25:52: sich wurscht.
00:25:54: Es stecken überall viele Klimagefühle drin und überhaupt Gefühle aller Art.
00:25:59: Aber stimmt, das ist, und das ist das, was ich meine, dass es so sinnvoll sein kann, wenn wir bei den Gruppen, also zum Beispiel auch bei den Schulen ansetzen, weil darüber lassen sich ja viel leichter neue soziale Normen etablieren, als wenn ich das hier als Leer-Dom bei mir zu Hause in der Küche mache.
00:26:15: Und da sind wir, ich arbeite ja bei Klug der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, da setzen wir uns zum Beispiel gerade dafür ein, dass in Krankenhäusern den Klima... die Ernährung umgestellt wird, auch viel mehr pflanzlich.
00:26:27: Zumal wir wissen, dass es die Gesundheit total fördert, also das ist auch für die Patientin total hilfreich wäre, wenn da eine gesunde Ernährung und auch eine klimagerechte Ernährung mehr auf dem Planstunde.
00:26:39: Aber das sind natürlich dicke Bretter, aber wir müssen das Stück für Stück angehen, es nützt ja nichts.
00:26:43: Ja, ich hänge gerade noch ein bisschen, also weil ich glaube, das sind schon so ganz konkrete Eigentlich Ansätze und Formen, wo man wie ins Handeln kommen kann und welche Umstellungen man eigentlich aufnimmt.
00:27:00: Wir hatten das ja alles schon.
00:27:02: Also diese Wedgie Day Debatten und sowas, die ja überhaupt nicht wissenschaftlich geführt wurden und die jetzt eigentlich wie inhaltlich kommt es wieder ohne die Debatte dazu, einfach weil sich die offiziellen Empfehlungen für Ernährung geändert haben, weil es ein anderes Bewusstsein gibt für die Klimakosten in der Fleischherstellung.
00:27:27: Also es ist wie ein bisschen angereich hat das, ist nicht mehr so eine vermeintlich nur ideologische Debatte.
00:27:35: Ja, es macht auch manchmal Sinn und das gilt es fein abzuwägen, inwieweit wir solche Veränderungen kommunizieren oder nicht.
00:27:43: Also ist es vielleicht einfacher, also wenn wir zum Beispiel in einem Krankenhaus oder in der Schulkafeteria oder so einfach einen Veggie-Day einführen und dann ist es einfach so, als dass wir klar sagen, das ist jetzt unser Veggie-Day.
00:27:55: Also dann ist einfach die Wahrscheinlichkeit größer, dass es bei Leuten Widerstände hervorruft und die auf dem Plan ruft, die sich damit unwohl fühlen.
00:28:04: Wenn wir es aber einfach leben, wenn wir einfach machen, dann stellen wir viel eher fest, das ist ja gut, das ist lecker, das können wir gut essen und dann wird es möglicherweise leichter zur Normalität.
00:28:15: Aber das ist eben immer so eine Abwägungssache.
00:28:18: Ab welchem Punkt kommunizieren wir das und wo machen wir es vielleicht jetzt einfach mal?
00:28:22: Ja und das ist natürlich auch immer die Frage, wer ist das jeweilige wir dahinter?
00:28:27: Also ist das eine Schulgemeinschaft, die sich dafür entscheidet?
00:28:31: Oder ist das eine Krankenhausgesellschaft?
00:28:34: Oder ist es eine... einen Fleischhersteller, der Lobbyarbeit macht und dafür sorgt, dass seine Steaks genau da oder seine Fleischprodukte genau da etabliert werden.
00:28:48: Das sind ja tatsächlich das, was wir in der Regel mitkriegen, ist die Politik, die laut sagt, wir sollen jetzt das oder wir wollen jetzt das, aber genau diese Justierungen oder auch einfach Entwicklungen, die ja ganz oft keine Justierungen sind.
00:29:06: Die passieren ja tatsächlich einfach so.
00:29:10: Ja, und ich glaube, dass das so ein Punkt ist.
00:29:14: noch ein Gefühl zur Klimageschichte, wo es auch oft Mut von uns erfordert.
00:29:20: Also weil wir mit unter alten Normen ansprechen müssen, weil wir möglicherweise mit Menschen in Machtpositionen, also was weiß ich, Schulleitung, Krankenhausleitung oder so das Gespräch suchen müssen und da auch eine gewisse Hartnäckigkeit brauchen.
00:29:35: Also da ist einfach die Tendenz groß, dass man im ersten Anlauf vielleicht erst mal abgeschmettert wird.
00:29:40: Im Sinne von war schon immer so, alles viel zu umständlich.
00:29:44: Und dass es dann eben gilt, im Kontakt zu bleiben und da auch eine gewisse Behaarlichkeit an den Tag zu legen und sich vielleicht nicht zu sehr auf diese emotionalen Widerstandsdebatten einzulassen, sondern ja, am Ball zu bleiben.
00:29:58: Und das ist für viele Menschen, da kann ich mich absolut einschließen, auch mit drunter einen Gang raus aus der eigenen Komfortzone.
00:30:07: Also sowas dann tatsächlich weiter zu verfolgen und da dran zu bleiben.
00:30:10: Und gleichzeitig ist es so wichtig, ich feiere alle, die das tun.
00:30:16: Und habt ihr in eurem Buch auch so, du hast ja gesagt, Anlass ist eigentlich oder Ziel ist, die Leute ausgehend von der Beschreibung von unterschiedlichen emotionalen Reaktionen ins Handeln zu bringen.
00:30:31: Was sind denn so Handlungsangebote, die sich da ergeben?
00:30:37: Also, das ist nicht einfach was, was Marykundig uns ausgedacht haben, dass wir das gut fühlen.
00:30:41: Also finden wir natürlich auch.
00:30:43: Aber wir wissen auch aus der Psychologie, dass das was ist, was Menschen psychisch gesund erhält.
00:30:48: Also, dass wenn wir Unfühle, unangenehme Gefühle zum Klimathema und so weiter haben, und das sind uns eher diese ganzen... Angst, Ärger, Traurigkeit, sowas auslöst, dass es dann ein ganz erfolgreicher Coping-Mechanismus ist, wenn wir in irgendeiner Form aktiv werden, weil wir dann nämlich rauskommen aus dieser empfundenen Ohnmacht und Hilflosigkeit.
00:31:11: Das Problem ist so riesig, was kann ich schon als einzelne Person dagegen tun, sondern es gibt uns was ganz... Empowerndes, im Grunde, was Ermächtigendes festzustellen, hey, aber ich als einzelne Person kann dann Unterschied machen.
00:31:24: Wir haben dann jetzt wieder Psychologie, Selbstwirksamkeit erleben und das ist was, was uns total gesund erhält.
00:31:30: Plus, wenn es uns gedingt, über die individuelle Ebene hinauszukommen und mit anderen zusammen aktiv zu werden, dann kommen noch ganz andere Co-Benefits.
00:31:39: Also dann entsteht eine neue Verbundenheit, neue Kontakte, gute Kontakte mit gemeinsamen Werten.
00:31:45: Wir wissen auch, dass ein Wertekonformes lebt.
00:31:47: auch unsere psychische Gesundheit fördert.
00:31:50: Und da ergeben sich eben auch mit Blick, wie es uns geht, wie wir uns fühlen, viele, viele Vorteile, wenn wir da anfangen, aktiv zu werden.
00:32:00: Und das möchten wir natürlich schon aus Gesundheitsfördern entgründen, möglichst vielen Menschen mitgeben, zu zeigen, hey, da gibt es ganz viele Möglichkeiten.
00:32:09: Und beschreibt ihr da unterschiedliche Möglichkeiten oder beschreibt ihr eher die Struktur?
00:32:14: Touren, nach denen sich dann jede Person ihre eigene Möglichkeiten entwickeln kann.
00:32:21: Ja, wir probieren schon diesen Fokus genau auf diese Schnittstelle zu legen zwischen individuellem und strukturellen Handeln.
00:32:28: Zumal wir wissen, dass die allermeisten Menschen, die sich für das Thema interessieren, individuell anfangen.
00:32:33: Also war bei mir auch so, als ich das Gefühl hatte, Mist, ich habe das jetzt gecheckt, wie ernst die Lage ist.
00:32:38: Aber ich habe auch erst mal gedacht, ich kaufe mir jetzt keine neuen Klamotten und fahre nur noch mit dem Fahrrad.
00:32:42: Ist ja auch super, ne?
00:32:43: Ich möchte das überhaupt nicht kleinrehen.
00:32:45: Das ist ja ein toller erster Schritt.
00:32:48: Und gleichzeitig ist es die große Herausforderung, dass wir eben begreifen, dass wir auch über unseren eigenen Haushalt hinaus viel mehr Möglichkeiten haben, als wir oft auf dem ersten Blick sehen.
00:33:00: Und das ist das, wenn wir eben in Gemeinschaften in irgendeiner Form uns einbringen.
00:33:04: Und dafür stellen wir im Buch eine... große Bandbreite von Möglichkeiten vor, auf das möglichst viele Menschen da zumindest ein, zwei, drei Beispiele finden, wo sie denken, das passt für mich, das kann ich mir auch vorstellen.
00:33:18: Und es entsteht ja auch, das ist ja auch so ein netter By-Effekt.
00:33:22: Wir kriegen dann eine Rückmeldung von Leuten, die uns hinterher E-Mail schreiben, wie sie was fanden und was sie angesprochen hat und so.
00:33:28: Und dadurch entsteht irgendwie auch so eine informelle Gemeinschaft von Menschen, die... das Teilen, also dieses Grundbedürfnis dahinter nach letztlich nach Sicherheit, Gesundheit und Klimaschutz und auch diese Werte teilen.
00:33:45: Und das ist eine ganz, ganz tolle Erfahrung.
00:33:47: Ja,
00:33:48: also tatsächlich, das hat mich wirklich auch sehr beeindruckt an eurem Buch, dass es so eine sehr persönliche Ansprache gibt.
00:33:58: Ihr erzählt ja auch wirklich von euch, wie ihr zu diesem Thema gekommen seid.
00:34:03: Und nicht nur die nüchternen Fakten, sondern mit allen Emotionen, die diese thematische Begegnung ausgelöst hat.
00:34:12: Und das ist natürlich, das fühlt sich auf eine Art sehr intim an.
00:34:19: Und dann habe ich sofort auch eine Anbindung und das Gefühl, wow, du hast mir jetzt das erzählt, okay, vielleicht erzähle ich dir auch was.
00:34:29: Ja, das ist ja so.
00:34:31: Also eigentlich verbindet uns ja so viel unter uns Menschen.
00:34:34: Wir sprechen nur auch nicht drüber.
00:34:36: Genau.
00:34:37: Und da haben wir reikündig auch probiert, ein bisschen mutig voranzugehen.
00:34:42: Ja, und uns da zumindest ein Stück weit auch selbst zu öffnen, uns zu zeigen, weil eben diese Auseinandersetzung eher eine Reise ist als was, was man einmalig macht.
00:34:52: Das kann sich ja immer wieder verändern.
00:34:54: Also ich glaube, es ist absolut prozesshaft zu begreifen.
00:34:57: Und auch bis heute, obwohl ich jetzt dieses Buch geschrieben habe und durch alle Gefühle da einmal durch musste für dieses Buch, wechselt das immer mal.
00:35:05: Je nachdem, was gerade passiert, was ich erlebe, wechseln meine Gefühle zu dem Thema.
00:35:09: Und ich denke, dass das ganz vielen so geht und dass wir das als normal kommunizieren dürfen.
00:35:15: Das ist ein anstrengendes und auch emotional besetztes Feld.
00:35:20: Wenn wir jetzt nochmal auf Niedersachsen gucken, also wir haben das Atomkraftwerk in Lingen verabschiedet.
00:35:31: Gleichzeitig haben wir da noch so eine Aufbereitungsanlage, die weiterhin schön mit Uran aus Russland befüttert wird, wo es auch Proteste vor Ort gibt, wo sich so unterschiedliche Dimensionen wieder verbinden zwischen Sanktionen gegen Russland, einer Positionierung zum Krieg gegen die Ukraine, aber auch eine energiepolitische Dimension.
00:35:59: Und dann stehen wir ja in der Aussicht, dass wir ähnliche, ja, ich sag mal, strukturelle Entwicklungen und Prozesse aus dem Tagebau auszusteigen, wie in Lützerath ganz viel an weiteren Stellen in Deutschland haben werden, vor allem in Ostdeutschland.
00:36:22: Da ist jetzt Niedersachsen nicht so betroffen.
00:36:26: Aber bei der Frage nach den Alternativen ja dann durchaus, weil wir ein sehr landwirtschaftlich und ländlich geprägtes Bundesland sind, mit Küstenabschnitten, also so, dass die ganze Frage nach der Windenergie, aber auch die Frage nach Solarflächen und wie man die parallel zu weide Anbauflächen nutzen kann oder wie diese Mehrfachnutzungen funktionieren können.
00:36:55: Und ich würde gerne von dir noch mal hören, welche unterschiedlichen emotionalen Herausforderungen, aber auch Chancen siehst du, wenn du auf Niedersachsen und die Frage nach der Energieentwicklung siehst.
00:37:18: Also, was ich mir wünschen würde, ist, dass wir aus dem Atomausstieg lernen und unser Wissen, was wir jetzt in dieser Zeit gewinnen durften, auch darauf anwenden können, wenn es darum geht, aus den fossilen Energien auszusteigen, weil das ist die nächste große Transformation, die uns bevorsteht.
00:37:38: Und ich glaube, dass wir da, dass, dass, dass wir insofern daraus lernen können, als dass es, dass es also insbesondere im Bereich der Kommunikation.
00:37:51: Dass wir das ernst nehmen, dass es bei Menschen Ängste macht, dass es Sorgen bereitet und dass wir darauf kommunikativ von Anfang an eingehen und dass wir vielleicht auch schauen, wie lässt sich sowas gut medial abbilden, ohne immer wieder irgendwelche Nebenbaustellen aufzumachen und dass es Fakten basiert ist, dass sich Menschen gesehen fühlen.
00:38:10: Es gibt eine Grundregel in der Klimakommunikation und die ist die erste Regel, das immer zuhören.
00:38:16: dass wir tatsächlich probieren, auch mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, denen das Sorge bereitet.
00:38:21: Wir werden nicht alle erreichen, das schaffen wir niemals, aber dass sich die Menschen zumindest gesehen fühlen in ihren Bedürfnissen und da angenommen fühlen und wir dann gleichzeitig aber klar kommunizieren, es ist alternativlos.
00:38:34: Also es nützt alles nichts, wir müssen jetzt auch... Aufwind und Solar setzen, auch hier in Niedersachsen, auch in deiner Nachbarschaft.
00:38:41: Und du hast auch Vorteile davon.
00:38:43: Erst recht, wenn es zum Beispiel Energiewende in Bürgerhände, wenn es gelingt ist, zu dezentralisieren.
00:38:52: Und ich glaube, wenn die Menschen merken, dass sie selbst auch wirklich Vorteile davon haben, mitunter auch finanzielle Vorteile und auch Sicherheitsvorteile, was die Energiegewinnung angeht, dann... ist das ganz, ganz viel wert.
00:39:06: Ach so, und einen Punkt muss ich noch hinzufügen, weil wir das auch aus der psychologischen Forschung wissen, dass es die Bereitschaft von Menschen für die Energiewende überhaupt für diese nötige sozial-lökologische Transformation erhöht, wenn sie begreifen, dass die Klimakrise auch eine Gesundheitskrise ist.
00:39:26: Also wenn wir sehen, in welcher Hinsicht die voranschreitende Klimakrise sich negativ auf unsere Gesundheit auswirkt.
00:39:34: Ich bin jetzt Psychologin, deswegen kann ich vor allen Dingen für die psychische Gesundheit sprechen, aber da wissen wir, dass die Folgen desaströs sind, also das Angsterkrankungen zunehmen, Depressionen, Suchterkrankungen und so weiter, dass es in der Verarbeitung für die Menschen schwierig ist und dass wir einfach auch, was unsere Gesundheit angeht, so viel gewinnen würden, wenn wir das jetzt ambitionieren, anpacken.
00:39:54: Es nützt alles nix.
00:39:55: Also das ist sowas von gelebte Prävention.
00:39:58: Es gibt Kurven, Zum Beispiel, es ist nicht nur mit dem Klima, es sind praktisch alle Umweltkrisen, die da drinstecken, dass zum Beispiel je verschmutzt er die Luft ist, wenn ich an einer größeren Straße wohne oder so, dass dann die kognitiven Leistungen, also die Denkleistungen der Menschen parallel abnehmen.
00:40:15: Also das kann man richtig in Kurven darstellen.
00:40:17: Und wenn wir sowas sehen und merken, hey, davon bin ich selbst betroffen, davon sind meine Kinder betroffen und so weiter, dann ist es irgendwann einfach so vernünftig, da aktiv zu werden.
00:40:29: so naheliegend, dass es einfacher wird.
00:40:34: Ja, aber das ist ja vielleicht ein bisschen so wie mit der Ernährung.
00:40:38: Also ich weiß auch, dass der Zucker uns nicht wahnsinnig gut tut und dass es für Kinder gerade wirklich eine Droge ist.
00:40:47: Und trotzdem gehöre ich nicht zu denen, die ihre Kinder zuckerfrei ernähren.
00:40:54: Ja, da haben wir wieder die kognitive Dessonanz.
00:40:56: Das geht mir als Mutter auch so.
00:40:59: Noch mal mit dem Blick auf die Energiepolitik und Niedersachsen.
00:41:02: Weil bei dieser Überlegung, aus welchen Energieformen kommen wir und was blüht uns jetzt, hatte ich nur gedacht so... Da ist Niedersachsen bisher immer nicht so im Zentrum gewesen.
00:41:18: Und diese nördliche Positionierung mit viel Fläche und viel Wind durch Küste bietet ja wie so eine eine andere Rolle oder eine andere Position in der Energiegewinnung.
00:41:37: jetzt für Deutschland.
00:41:40: Ja, es ist auch voll die Chance für Niedersachsen.
00:41:43: Genau, und Schleswig-Holstein hat ja schon vor ein paar Jahren angefangen, sich ganz offensiv als das Plus-Energieland zu verkaufen, dass mehr Energie durch nachhaltige Energiegewinnung produziert, als es selbst braucht.
00:42:00: Und als ich das das erste Mal gehört habe, habe ich gedacht, ah ja, das ist auch eine Möglichkeit, auf die Situation zu gucken.
00:42:09: Und das ist dann sozusagen die Alternative zu der dezentralen Energiewende in Bürgerhände, sozusagen einen wie einen Gewinn für eine Selbstdarstellung ein anderes Narrativ zu haben, mit dem man verdeutlicht, dass man davon profitiert und nicht erst die enke Generation, sondern schon wir jetzt.
00:42:34: Ja.
00:42:36: Da gilt es absolut, die Vorteile immer wieder auch deutlich zu machen, die damit verbunden sind.
00:42:46: Einer Meinung, kann ich nicht viel mehr zu sagen.
00:42:50: Liebe Lea, eine letzte Frage.
00:42:56: Gibt es einen individuellen Tipp, den du jeder und jedem klimagestressten Menschen mitgeben kannst oder willst?
00:43:07: Also ich glaube, dass es, wenn wir besorgt sind wegen des Klimas, im Grunde ein ständiges Austarieren zwischen den Polen ist, einerseits aktiv zu werden und andererseits auch regenerative Praxis, dass wir uns auch pausen können, weil dieses ganze Thema nicht nächste Woche Freitag vorbei sein wird und weil wir diese Kraft brauchen für die ganzen nächsten Jahre.
00:43:32: Und das ist da aus psychologischer Sicht die Herausforderung ist für sich selbst immer wieder zu schauen, hey, wie geht es mir gerade?
00:43:39: An welchen Stellen kann ich mich gerade gut einbringen?
00:43:41: Wo bin ich wirksam?
00:43:42: Ich glaube auch, dass es Sinn macht, dass wir uns in regelmäßigen Abständen, ich mache das auch alle paar Wochen, dass ich mich mal frage, die Projekte, bei denen ich gerade Mitarbeiter und so, wie ich gerade vorgehe, ist es wirklich wirksam oder geht es auf andere Weise vielleicht noch wirksamer?
00:43:58: Und das vielleicht als Tipp dranbleiben, austarieren zwischen Erholung und Engagement und dann immer mal wieder die Wirksamkeit hinterfragen.
00:44:08: Okay, vielen Dank dir.
00:44:12: Danke auch für den Austausch und die Einblicke, die du uns gewährt hast in unterschiedliche psychologische Konzepte und die Frage, wie wir damit umgehen können und was sozusagen auch normale Reaktionen sind.
00:44:27: Das war's für heute aus der Aktuellen Stunde Niedersachsen.
00:44:31: Wie hältst du's mit der Energie?
00:44:34: Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe, die wie immer mit einem brandaktuellen Thema irgendwann um die Ecke kommen wird.
00:44:42: Wenn ihr Wünsche oder Ideen habt, schreibt uns gerne.
00:44:45: Wir freuen uns immer über die Anregung.
00:44:47: Und bis dahin genießt den Frühling!
00:44:50: die hoffentlich wärmende Sonne und das Wissen, dass dieser Wind uns nicht nur die Haare zerzaust und die Ohren sausen lässt,
00:44:57: sondern
00:44:58: uns auch den Handyakulät.
00:45:01: Denn wie Lea uns ein bisschen erzählt hat, können wir jetzt vielleicht zum Teil auch selbst entscheiden, wie wir auf die Dinge gucken.
00:45:08: Und ich würde sagen, ja, vielleicht das Framing macht's.
00:45:12: Und noch ein Hinweis.
00:45:13: Am fünften, fünften, diskutieren wir in unserem nächsten grünen Salon unter anderem mit dem niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer und dann ganz konkret zu der Frage, wie genau wir die Energiewende meistern werden.
00:45:29: Bis dahin, macht's gut, wir sind raus.
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